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Stufels

Ausgabe September 2009

Die Urzelle von Brixen

Stufels (559 – 680 m) ist der ursprüngliche Kern von Brixen. Hier haben sich schon vor Jahrtausenden die ersten Menschen niedergelassen. Bei Ausgrabungen wurden immer wieder steinzeitliche Gefäße und Werkzeuge gefunden. Die meisten Häuser in Stufels sind aufgrund ihres Alters und ihrer architektonischen Eigenheiten – genauso wie die mittelalterliche Altstadt – denkmalgeschützt.

 

Unter dem Ortsteil Stufels versteht sich das Gebiet jener elf Straßen, Wege, Gassen und Plätze, die sich vom Mündungsdreieck der Flüsse Eisack und Rienz in Richtung Norden an den Streuweiler Kranebitt anlehnen, der seinerzeit mit dem darüber liegenden Dorf Elvas eine eigene Gemeinde gebildet hat, dann aber im Jahr 1928 der Stadtgemeinde Brixen einverleibt worden ist. Großräumig gesehen bildet das Dreieck Stufels den südlichsten Ausläufer der Zillertaler Alpen und liegt – in seinen höheren Lagen – auf Quarzphyllit, Schiefer, im Mündungsdreieck hingegen auf von den Eiszeiten gebildeten Schottermoränen beziehungsweise dem Geschiebe der zitierten Flüsse.

 

Geschichte

Wie man den Aufzeichnungen des rührigen Vorgeschichtsforschers Prälat Adrian Egger entnehmen kann, bewahrheitete sich eines Tages die Sage: „Die Keimzelle von Brixen ist in Stufels zu suchen!“ Als man nämlich im Jahre 1909 daran ging, gelegentlich des Baues der Straße von Stufels nach Elvas in der Oberen Schutzengelgasse das bergseitige Huber-Haus abzutragen, kamen die Reste von vier hallstattzeitlichen Hausruinen zum Vorschein (ca. 500 v. Chr.). Ähnliche Funde tätigte man gelegentlich weiterer Grabungen noch öfter, wie sich auch Spuren älterer Herkunft ergaben, die auf eine noch viel frühere Siedlung schließen ließen. Grund für die Besiedlung des Gebietes könnte folgender gewesen sein: Kaum irgendwo anders bot sich ein besserer Platz, eine gesicherte Siedlung anzulegen wie hier. Auf drei Seiten vom Wasser der Flüsse umspült und gegen den offenen Norden durch einen aufgeworfenen Damm geschützt hat es das abgegeben, was man auch andernorts findet: Wasser- und Wallburg in einem!

 

Namensherkunft

Stufels trat erstmals um 1120 in der Form Stuvels ins Licht der Geschichte. Diesen Namen leitet man vom romanisch „ad stublas“ (Schneller) her, was aus „stuba“ wurzelt und unserem geheizten Raum Stube entspricht. Ein Villanderer Ortteil Stafels/Stofels wird von „stabules“ (Stallungen) hergeleitet. Auch steckt die Form Stufels in den Hof- und Familiennamen Stufflesser (Gröden, Lajen, Kastelruth). Dem römerzeitlichen Ort Stufels war allerdings ein unvergleichlich älterer Siedlungsraum vorausgegangen, von dem wir den Namen leider nicht kennen.

Was den Weinbau betrifft, darf sich Stufels zu den ältesten Weinanbaugebieten des Landes zählen, sind doch im Jahr 1909, ebenfalls beim Abbruch des Hauses Huber in der oberen Schutzengelgasse, Reste von – allerdings nur wilden – Rebenkernen und Gegenstände zur Verarbeitung der Trauben zu Wein ans Tageslicht gekommen. Fachleute haben diese Funde in die Hallstattzeit (ca. 500 v. Chr.) zurückverlegt.

 

Die Textstellen wurden dem Buch „Stufels – Urzelle von Brixen“ von Hans Fink (1985) entnommen.

 

Wagen Sie den Schritt über die Adlergassenbrücke und begeben Sie sich auf historische Pfade: Ein Besuch in Stufels lohnt sich. Spazieren Sie durch die verwinkelten Gassen, in deren urigen Kellern sich seit den 1980er Jahren die Brixner Kleinkunstszene niedergelassen und den Grundstein für die heutige lebendige Kleinkunstszene im Lande gelegt hat.  

 

 

Hotel Grüner Baum in Stufels

Mit 245 Jahren traditionsreichstes Unternehmen

Historisch untrennbar mit Stufels verbunden ist der Hotelkomplex „Grüner Baum“. Bereits seit dem Jahre 1562 sind ein Gasthof und eine Wirtschaft unter der Adresse „Grüner Baum“ nachweisbar. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts befindet sich das Hotel im Besitz der Familie Stremitzer.

Kürzlich prämierte die Handelskammer Bozen im Ehrensaal des Merkantilgebäudes zum 57. Mal Unternehmen mit einer mehr als 50-jährigen Tätigkeit und MitarbeiterInnen mit 35 und mehr Dienstjahren. Mit unglaublichen 245 Jahren war bei der diesjährigen Prämierung der Arbeitstreue das Hotel „Grüner Baum“ der Familie Stremitzer Burghart & Co. K.G. das traditionsreichste Unternehmen. Stolz nahm Herr Stremitzer bei der Verleihung eine Goldmedaille mit Diplom entgegen.

Burghart Stremitzer wurde bereits in jungen Jahren in den Betrieb mit eingebunden, war im Service tätig und übernahm auch schon bald die Verwaltung. Durch ihn gewann das Hotel an Größe; im sprichwörtlichen wie auch im wörtlichen Sinne: Dank geschickter Zukäufe verwandelte er den einst bescheidenen Gasthof in den heutigen modernen Hotelkomplex von internationalem Standard.

Gemeinsam mit Frau Christl Oberhammer und Tochter Cornelia gilt es auch weiterhin, den Traditionsbetrieb fortzuführen und die Gastronomie nach heutigem Standard und in altbewährter Gastlichkeit hochleben zu lassen.

 

Drei Fagen an Burghart Stremitzer

Die SÜDTIROLERIN: Welche Bedeutung hat Stufels für Sie?

Burghart Stremitzer: Nun, ich wurde vor 71 Jahren in der Stuflergasse 11 im 1. Stock geboren. Stufels ist meine Heimat.

 

Die SÜDTIROLERIN: Wenn Sie an Stufels denken, woran denken Sie als erstes oder am liebsten?

Burghart Stremitzer: An meine unbeschwerten Jugendjahre als „Stuflerraber“, an meine Eltern und an den August 2004, als Pabst Benedikt XVI als Kardinal zirka acht Monate vor seiner Wahl zum Pabst bei uns zu Gast war.

 

Die SÜDTIROLERIN: Stufels ist ein Stadtteil von Brixen. Ein jeder Stadtteil sollte mit den anderen Stadtteilen zusammen leben und sich untereinander ergänzen. Wie steht es um das Zusammenleben von Stufels und dem übrigen Brixen?

Burghart Stremitzer: Das funktioniert nach wie vor sehr gut. Wir brauchen und ergänzen uns gegenseitig.

D. S.

Foto: privat

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