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Ausnahmemusikerin Judit Pixner im Interview

Ausgabe März 2010

„Kein Weg zu weit“

Ihre ausdrucksstarke, filigrane Stimme geht unter die Haut. Ihre Texte bewegen. Judit Pixner zählt zu den Aushängeschildern der Südtiroler Musikszene. Der Passeirerin war – analog zum Titel des Debütalbums des „Judit Pixner Quartetts“ – kein Weg zu weit, um ihre Passion, das Singen, zum Beruf zu machen. Im Interview spricht die charismatische Sängerin über ihre Liebe zum Jazz und gewährt Einblicke in ihr Leben als Musikerin.

Judit Pixner: Gesungen habe ich schon als kleines Kind mit meiner Mutter, beim Spazierengehen, zu Hause oder im Auto. Wir haben eigentlich immer gesungen und ich hatte großen Spaß dabei. Meine Mutter war im Kirchenchor und hat mich immer mitgenommen. Mit Sicherheit habe ich von ihr die Liebe zur Musik geerbt.

 

Die SÜDTIROLERIN: Was hat Sie dazu bewogen, ihren Job als Erzieherin im Kindergarten aufzugeben und sich ganz auf Ihre Musikerkarriere zu konzentrieren?

Judit Pixner: Ich habe neun Jahre als Erzieherin im Kindergarten gearbeitet. Die Arbeit hat mir viel Freude bereitet und mein Leben sehr erfüllt. Es ist unglaublich interessant, Kinder mit ihrem noch sehr unbefangenen und ehrlichen Wesen zu beobachten, von ihnen wieder zu einer gewissen Natürlichkeit zurückgeführt zu werden und ihnen in ihrer Entwicklung zur Seite zu stehen.

Meine große Leidenschaft war allerdings schon immer das Singen. Ich habe seit meiner Jugend in Bands gesungen. Mit 27 Jahren war ich endlich so weit, mich vom Sicherheitsdenken, das uns von klein auf anerzogen wird, zu lösen, den Job an den Nagel zu hängen und Jazzgesang zu studieren. Mittlerweile bin ich seit zwei Jahren selbstständig. Das Faszinierende dabei ist, dass ich meine Arbeit, ob es Komponieren, Musik machen oder Arrangieren ist, nie als harten Job empfinde, sondern immer als großes und erfüllendes Glück.

 

Die SÜDTIROLERIN: Sie haben Jazzgesang in Wien studiert. Wann haben Sie die Leidenschaft für diese Musikrichtung entdeckt?

Judit Pixner: Auf die Jazzmusik bin ich erst in meiner Jugend gestoßen. Pop, Rock und Gospel hab ich schon immer gern gehört und gesungen. In meiner Oberschulzeit habe ich dann einige Workshops gemacht, um mich weiterzubilden. Dabei habe ich Ines Reiger, eine der bekanntesten Jazzsängerinnen Österreichs, kennengelernt. Sie hat mich mit ihrer Stimme, ihrer Menschlichkeit und ihrem Ausdruck im Jazzgesang  begeistert. Bei ihr habe ich auch mein Diplom in Wien abgeschlossen.

 

Die SÜDTIROLERIN: Deutsche Liedtexte eingehüllt in einzigartige Jazzklänge prägen Ihr Schaffen. Wie kommt diese Mischung beim Publikum an?

Judit Pixner: Der Jazz ist ein Musikstil, der manchmal vom breiten Publikum nicht ganz einfach zu verstehen ist, da mit Melodien und Harmonien sehr spannungsvoll und breitschichtig gearbeitet wird. Mit den deutschen Texten, finde ich, wird Jazz dem Publikum verständlicher näher gebracht. Mein größter Stolz ist aber, eigene Lieder mit eigenen Texten zu präsentieren. Das ist Musik, die aus meinem Herzen kommt und von mir und meinem Leben erzählt.

 

Die SÜDTIROLERIN: Sie schreiben alle Texte selbst. Wovon handeln Ihre Lieder? Was inspiriert Sie?

Judit Pixner: Natürlich kann ich nur über das schreiben, was ich in meinem Leben erfahre. Es geht um tiefe Emotionen, um die Liebe, um meine Lebensphilosophie, um Freundschaften, aber auch um Enttäuschungen und Ängste. Inspiriert werde ich in den ungewöhnlichsten Situationen. Oft wache ich in der Nacht auf und habe eine Melodie im Kopf, die ich dann schnell festhalten muss, sonst hab ich sie am nächsten Morgen vergessen. Ich schreibe am liebsten, wenn ich viel Zeit habe, wie etwa im Zug, im Urlaub auf dem Liegestuhl – einfach dann, wenn ich entspannt bin.

 

Die SÜDTIROLERIN: Sie stehen mittlerweile auf ganz großen Bühnen, wie etwa in der Stadthalle in Wien oder in der Olympiahalle in München. Was ist das für ein Gefühl? Sind Sie vor solchen großen Auftritten nervös?

Judit Pixner: Egal ob ich in großen Hallen vor mehreren tausenden Leuten singe oder im kleineren Rahmen, immer bin ich mit Stolz, Ehrfurcht und Dankbarkeit erfüllt. Am Anfang des Konzertes bin ich meistens etwas nervös, aber nach dem ersten gesungenen Lied beruhigt sich mein Innenleben und ich kann die Konzerte sehr genießen.

 

Die SÜDTIROLERIN: Wann kann man Sie das nächste Mal in Südtirol bewundern?

Judit Pixner: Mit „The Other“ trete ich am „Tag der Frau“, 8. März 2010 um 20 Uhr beim Frauenfrühling im Vereinssaal von Schenna und am 19. April 2010 um 20 Uhr im Vereinssaal von Dorf Tirol beim „Tiroler Kulturfrühling“ auf.

 

Die SÜDTIROLERIN: Was erwarten Sie sich von Ihrer Zukunft? Welche Wünsche und Ziele haben Sie?

Judit Pixner: Wenn ich so weiterleben kann, wie bis jetzt, dann bin ich sehr glücklich. Ich möchte heuer eine neue Cd mit meiner Jazzformation „Judit Pixner Quartett“ aufnehmen. „The Other“ feiert im nächsten Jahr das 20-jährige Bestehen. Wichtig ist, dass man sich immer weiterentwickelt, nach vorne blickt und sich immer wieder ein neues Ziel sucht, auf das man sich freuen kann.

Das Interview führte Barbara Zöll

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