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Das gibt es nicht alle Tage, dass ein Waltner Dorfbewohner internationalauf sich aufmerksam macht. Werner Heel ist es in dieser Wintersaison zum zweiten Mal gelungen, mit zwei Weltcupsiegen zuzeigen, welch großes Talent in ihm steckt und dass der letzte Winterkeine Eintagsfliege war.Im Alter von drei Jahren stand Werner zum ersten Mal auf Skiern. Die Wiese neben dem Wohnhaus bot sich bestens dafür an, mit einemSchnupperkurs zu beginnen. Dass dieses frühe Hobby einmal sein Berufwerden sollte, hätte niemand erahnen können. Sein Weg führte beginnendmit den üblichen Kinderrennen über den Landeskader hin zurNationalmannschaft mit 18. Obwohl er, dort angekommen, von mehrerenVerletzungen heimgesucht wurde, hielt sein eiserner Wille stand.Bis heute hat er nie sein Ziel vor Augen verloren.
Die SÜDTIROLERIN: Sie schienen recht gerührt gewesen zu sein, als Siegesehen haben, dass Ihr ganzes Heimatdorf bei der Fanclubfeier aufden Beinen war. Was ist das für ein Gefühl, von den Waltnern so zahlreichempfangen zu werden?
Werner Heel: Ein wirklich tolles Gefühl – und das eigentlich schonzum zweiten Mal! In diesem Jahr war der Empfang jedoch etwas größer,mehr Leute waren gekommen, vielleicht, weil wir so tolles Wetterhatten.
Die SÜDTIROLERIN: Sie haben in der vergangenen Saison gleich mehrmalsgezeigt, was wirklich in Ihnen steckt. Welcher Erfolg war für Sieder größte und warum?
Werner Heel: Sicherlich der Heimsieg in Gröden, vor allem, da so vielZeit vergehen musste, bis wieder mal ein Südtiroler in Gröden gewinnt. Der letzte einheimische Sieger war Herbert Plank im Jahre 1978! Genausowichtig war aber auch meine zweite Teilnahme an der Weltmeisterschaftund die guten Resultate speziell in Abfahrt und Super-G – undnicht zu vergessen das letzte Rennen der Saison in Åre, das ich miteinem Sieg beenden durfte.
Die SÜDTIROLERIN: Ihr Jahrgang muss ein ausgesprochen guter sein,denn einer Ihrer schärfsten Konkurrenten, der GesamtweltcupsiegerAksel Lund Svindal, ist auch ein 82er. Was hat er, was Sie noch gernehätten?
Werner Heel: Svindal hat eigentlich nichts, was ich unbedingt habenmöchte, denn ich bin mit meinen Resultaten sehr zufrieden. Ich willmich auch nicht mit ihm messen. Was ich an ihm hingegen bewundere,ist seine mentale Stärke, speziell nach so einer schweren Verletzunggleich wieder als Gesamtweltcupsieger dazustehen. Was uns vielleichtverbindet, ist unsere Offenheit und die zahlreichen Fans, die uns denRücken stärken – und nicht zu vergessen die Lebensfreude, mit der wirdurchs Leben schreiten. Doch dass der 82er Jahrgang ein wirklich guterist, stimmt, denn auch Manfred Mölgg und Peter Fill gehören ihm an.
Die SÜDTIROLERIN: Rückblick zu halten auf zwei tolle Saisonen mitinsgesamt drei Weltcupsiegen ist immer ein gutes Gefühl. Wie geht esIhnen, wenn Sie nach vorne schauen müssen? Sieht es da auch so rosigaus?Werner Heel: Ja, denn einer der wichtigsten Faktoren ist vorhanden,die Motivation! Wenn die Vorbereitung und das Material passen und ichgesund bleibe, dann kann ich auch in der kommenden Saison wiedervorne mitmischen. Dies zu wissen, ist Ansporn genug. Zurücklehnenwerde ich mich nicht, denn nur eine intensive Vorbereitung lässt michvorankommen. Zudem steht ein Olympiajahr bevor – es wird meineerste Teilnahme, wenn alles nach Plan läuft –, und das ist zusätzlich einenormer Motivationsschub.
Die SÜDTIROLERIN: Viele würden meinen, die größte Belastung für einen Skifahrer ist die rennintensive Wintersaison, aber wenn man sich Skistars wie Bode Miller oder Marco Büchel ansieht, die beklagen sichvor allem über die lange Vorbereitungszeit im Sommer. Wie geht esIhnen?
Werner Heel: Die Vorbereitung im Sommer fällt mir überhaupt nichtschwer, denn ich mache viele verschiedene Dinge wie Bergwandern, Helden und Hofer – neu interpretiert Dafür bietet das Museum Passeier eine gute Ausgangsbasis. Es besteht aus dem Parcours „Helden & Hofer" im Erdgeschoss, dem Volkskunde-Bereich im ersten Stock sowie einem typischen Passeirer Haufenhof im Freilicht-Bereich. In diesem besonderen Jahr wagt es sich an eine neue Interpretation von Andreas Hofer und der Rebellion von 1809. Die erweiterte Dauerausstellung zeigt die Ereignisse von vor 200 Jahren aus einem außergewöhnlichen Blickwinkel: der Sicht von außen auf das Tirol zu Hofers Zeiten. Man fragt sich beispielsweise: Was hatte eigentlich die Bayern bewogen, in ihrem neuen Tiroler Landesteil jene tief greifenden Reformen einzuführen, die dann den Aufstand der konservativen Bevölkerung auslösten? Wie haben die Bayern und die auf ihrer Seite stehenden Franzosen das „heilige“ Land Tirol gesehen? Und gab es beim liberalen, aufgeklärten Bürgertum in Städten wie Bozen, Meran, Innsbruck oder Trient eine Meinung über den Kreuzzug ihrer Landsleute gegen die angeblich gottlose Aufklärung? Das Museum findet, dass genau diese Fragen in der bisherigen Geschichtsvermittlung viel zu kurz gekommen sind. Das Handeln beider Seiten verständlich machen Ebenso sollen die Rollen des österreichischen Herrscherhauses, der Franzosen, der Sachsen und der Italiener hinterfragt werden, um dann über die Rolle der Passeirer immer näher an Andreas Hofer und sein Umfeld heranzukommen, um den Rebell und seine Mitkämpfer distanzierter zu sehen und die eingeschränkte Sicht, die nur gute Tiroler und böse Feinde kennt, zu differenzieren. Die neue Ausstellung lässt ihm zwar jene Rolle, welche die Geschichte ihm gegeben hat, zeigt aber auch die Mechanismen auf, die aus einem Menschen „wie du und ich“ mit der Zeit einen Helden machen. Ein weiterer Schwerpunkt der neuen Dauerausstellung ist dem Heldentum in Vergangenheit und Gegenwart gewidmet, wodurch ein modernes Geschichtsbild vermittelt werden kann. Es richtet sich nicht nur an Tiroler. Es setzt keine fundierten Geschichtskenntnisse voraus und möchte auch Kinder ansprechen, denen der Freilichtbereich sicher sehr gut gefallen wird. Zeitreise in eine vergangene Welt Bis weit ins 20. Jahrhundert gab es das alte Passeier. Ein bergbäuerlich geprägtes, extremes Siedlungsgebiet. Der karge Boden ernährte nur durch intensive und einfallsreiche Bearbeitung die Bevölkerung. Um 1960 änderte sich vieles. Erschließungen, Maschinen, Arbeitsplätze in Handwerk und Industrie sowie der beginnende Tourismus wandelten das Tal nachhaltig. Mit der neuen Zeit änderten sich die Lebensumstände. Traditionelle Arbeitstechniken, Bauwerke und Lebensformen verschwanden allmählich. Alte Relikte wurden zu Antiquitäten oder verkamen. Die wirklichkeitsnahe Wohn- und Lebenssituation auf den Bergbauernhöfen des Passeier lässt sich hier am besten durch liebevoll übertragene, ausgestattete Originalgebäude des Tales vermitteln. Der dominierende Baustoff Holz in der traditionellen Bearbeitung, die niedrigen Räume, die kleinen Fenster, die Geräusche und Gerüche: eine Zeitreise in eine vergangene Welt, die nicht sehr weit zurückliegt. In den vergangenen Jahren wurde ein vollständiger Passeirer Haufenhof in den Hang zwischen dem Wirtschaftsgebäude des Sandhofes und den Kapellen gebaut. Er vermittelt mit der Schmiede, der Mühle, dem Getreidekasten, dem Backofen, dem Wohnhaus, dem Wirtschaftsgebäude, der Lodenwalke, der Kegelbahn und dem Bienenstand, eingebettet in eine gepflegte Hoflandschaft, Eindrücke von der einfachen aber autarken Lebensweise unserer Vorfahren. Andreas Hofer zum Vernaschen Hat man sich also ausführlich im Sandhof über Geschichte und Menschen informiert, bietet der Tourismusverein Passeier eine Menge anderer Möglichkeiten, Andreas Hofer hochleben zu lassen. Kulinarisch wird er fortleben in den leckeren Andreas-Hofer-Kugeln und dem Andreas-Hofer-Wein. Ein kreatives Bäcker-Ehepaar in St. Leonhard widmete dem Freiheitskämpfer eine köstliche Praline, von der wir annehmen, dass sie auch dem „Andre“ geschmeckt hätte: Nüsse, Marzipan und Nougat umhüllt von dunkler Schokolade laden zum Verkosten ein. Die Kugeln sind exklusiv in deren Bäckerei-Konditorei zu kaufen. Die Leckerei befindet sich übrigens in guter Gesellschaft: Auch die delikate Andreas-Hofer-Torte und das Andreas-Hofer-Brot, ein Roggen-Vollkornbrot aus Natursauerteig, sind Erfindungen von Gabi und Christian Kobler. Pro Monat verkaufen die beiden etwa 500 Stück der kleinen Köstlichkeit. „Die Kugeln werden nicht maschinell erzeugt, sondern von Hand gefertigt“, erklärt Gabi Kobler. „Deshalb sieht auch keine aus wie die andere.“ Sie sind außerdem frei von Konservierungsstoffen, künstlichen Aromen und Farbstoffen. Erwähnenswert ist in jedem Fall auch der Andreas-Hofer-Wein: ein Edelvernatsch und ein Weißburgunder, abgefüllt in der Burggräfler Kellerei und im Handel erhältlich. Mit dieser Kellerei arbeitete bereits Hofer als Weinhändler zusammen. Mountainbiken, Klettern, Tennisspielen. So bringe ich viel Abwechslung in mein Vorbereitungsprogramm, und die wiederum erleichtert mir die lange Vorbereitungsphase. Die genannten Skistars sind schon etwas älter und vielleicht deshalb vorbereitungsmüde. Als Belastung empfinde ich hingegen die vielen Termine, seien es Sponsorentage, Sportveranstaltungen, Interviews (lächelt) oder das ständige Reisen.
Der intensivste Monat ist sicherlich der April, denn neben den zahlreichen Pflichtterminen sind auch noch die Materialtests zu absolvieren. Ab Mitte Mai wird es dann etwas ruhiger, und ab Oktober steigt der Druck wieder massiv an.
Die SÜDTIROLERIN: Als Profisportler verdient man sein Geld unter anderem mit Sponsoren. Hat sich diesbezüglich aufgrund der wirtschaftlichen Misslage auch für Sie etwas verändert? Spüren Sie am eigenen Leib, wie knapp das Geld sitzt?
Werner Heel: Auf jeden Fall! Man merkt schon, dass es in den letzten Monaten sehr schwer geworden ist, den eigenen Marktwert zu halten. Viele sagen, dass das Geld aufgrund der Krise nicht mehr ausgegeben werden kann. Vielfach wird die Wirtschaftskrise aber auch nur als Vorwand hergenommen, um Einsparungen zu erzielen, denn es gibt genügend andere Beispiele, wo das Geld in großem Stil investiert wird. Was ich mir erhoffe, wäre, dass Südtiroler Unternehmen ein bisschen mehr in den Skisport – einem meiner Meinung nach sauberen Bereich investieren,denn das ist wirklich eine hervorragende Werbung. Ich selberbin momentan vorrangig bei italienischen Unternehmen unter Vertrag.
Die SÜDTIROLERIN: Wenn man so viele Monate im Jahr unterwegs ist,bleibt da noch Zeit für die Familie, Freunde oder sogar eine Freundin?
Werner Heel: Für Familie und Freunde muss Zeit bleiben, denn beidesind ein ganz wichtiger Bestandteil, der nicht vernachlässigt werdendarf. Nur sie geben dir immer den notwendigen Halt und finden dierichtigen Worte, wenn es mal nicht so gut läuft. Der Profisport ist einviel zu schnelllebiges Geschäft, das nur von kurzer Dauer ist. Die Familieund Freunde hingegen können auf ewig erhalten bleiben. Sofernich zuhause bin – was leider nicht oft der Fall ist – gehe ich mit meinenLieben essen oder unternehme etwas mit ihnen, ansonsten kommunizierenwir per SMS, E-Mail oder Telefon. Thema Freundin (lächelt):Dafür bleibt momentan leider keine Zeit.
Die SÜDTIROLERIN: Es gibt bestimmt etwas, das Sie sich für die nächsteSaison wünschen. Möchten Sie es uns wissen lassen?
Werner Heel: Ja: viel Gesundheit, eine gute Vorbereitung und einbisschen weniger Stress. Natürlich habe ich auch Ziele vor Augen, aberdie gebe ich nicht gerne preis. Am wichtigsten ist die Gesundheit undverletzungsfrei durch die nächste Saison zu kommen. Und vielleichteinmal Zeit zu finden für eine Freundin…Das Interview führte C. B.