erweiterte Suche  
 
In unserem Archiv finden Sie Inhalte unserer älteren Ausgaben.

Sehr geehrter Kunde. Wenn Sie noch nicht Abonent unseres Gesellschaftsmagazins sind können Sie dies hier nachholen. Senden Sie uns ein kurzes e-mail, und wir werden uns sofort um Sie bemühen.

Sie sind hier aufsuedtirolerin / Reportagen & Porträts / Die süßeste Versuchung:

Die süßeste Versuchung

Ausgabe November 2009

Das Südtiroler Goldmädchen Veronika Kuen bei den „World Skills 2009“ in Kanada

Anfang September fanden im kanadischen Calgary die Berufsweltmeisterschaften 2009 statt. Nach einer langen Vorbereitungszeit nahmen auch einige junge SüdtirolerInnen an der Weltmeisterschaft teil – unter ihnen die 20-jährige Konditorin Veronika Kuen aus St. Leonhard in Passeier.

 

Veronika Kuen ist ein nettes unkompliziertes Mädel aus St. Leonhard in Passeier. Sie wurde als drittes von fünf Kindern geboren. Nach der Mittelschule entschloss sich Veronika, einen Grundlehrgang an der Landesberufsschule Savoy in Meran zu besuchen. Unter den verschiedenen Fachbereichen wurde Veronika schnell klar, dass für sie nur eine Konditorlehre in Frage kam. Also begann sie in einer Konditorei in Algund ihre dreijährige Lehre, die in Form des dualen Ausbildungssystems erfolgte. Sie besuchte drei Jahre lang in Blockunterrichtszeiten die Landesberufsschule „Emma Hellenstainer“ in Brixen. Mittlerweile ist Veronika ausgelernte Konditorin. Seit fünf Jahren arbeitet sie im selben Betrieb, in dem sie sehr viel gelernt hat und in dem ihr Talent auch gefördert wurde.

 

„Mein erster großer Erfolg war die Goldmedaille beim Drei-Länder-Lehrlingswettbewerb in Freiburg.“

Bereits im Juni 2007 gewann Veronika beim Drei-Länder-Lehrlingswettbewerb für Konditoren in Freiburg (BRD) die Goldmedaille. Von jedem Land – nämlich Italien, Deutschland und Österreich – durften nur je vier Lehrlinge antreten.

Der nächste Meilenstein in der Erfolgsgeschichte war dann die Landesmeisterschaft aller Berufsgruppen im November 2008, bei denen Veronika sich wieder den 1. Platz der Konditoren holte. Somit stand fest, dass Veronika an den Weltmeisterschaften in Kanada teilnehmen würde. Sie wurde von der Jury dazu ausgewählt.

 

„Das Trainingslager in Ahornach war sehr hart! Aber es hat sich gelohnt.“

Im Sommer begann dann die Vorbereitung für die Teilnahme an der Berufsweltmeisterschaft. Veronika nahm sich zweieinhalb Monate unbezahlten Urlaub und verbrachte diese im Trainingslager in Ahornach im Pustertal. Auch die anderen Berufsgruppen waren dort. So wie die anderen genoss auch Veronika die Betreuung durch einen eigenen Trainer und Experten, der auch zu den späteren Juroren in Calgary zählte. Diese Zeit war sehr arbeitsintensiv, aber auch sehr lehrreich. Jeder Tag beinhaltete 10 bis 11 Arbeitsstunden. 

 

„Auf nach Kanada!“

Ende August war es dann soweit. Voller Erwartungen und voller Ehrgeiz startete Veronika mit den anderen Teilnehmern am 26. August von München aus über Frankfurt nach Kanada. Das Ziel war Calgary, eine Millionenstadt in Kanada, in der die „World Skills“, also die Berufsweltmeisterschaft, stattfand.

Die ersten Tage dienten der Akklimatisierung. Dabei hatte Veronika viel Spaß. Die Teilnehmer unternahmen zum Beispiel eine Raftingtour, um den Teamgeist untereinander zu wecken. Die Rocky Mountains und eine Stadtbesichtigung fehlten auch nicht auf dem erlebnisreichen Programm.

Endlich kam der Tag der Eröffnung der „World Skills 2009“. Es war eine gigantische Feier mit zahlreichen Künstlern, Akrobaten und Musikbands, die das Ereignis auf sehr eindrucksvolle Weise umrahmten. Die Arbeitsplätze wurden eingerichtet und vorbereitet.

 

Am 3. September war es dann soweit. Die WM konnte beginnen.

Es waren spannende Tage für Veronika. Es war sehr anstrengend, tagelang unter diesem Druck zu stehen und das Beste zu geben, aber es hat sich gelohnt. Sie würde es jederzeit wieder tun, auch wenn sie abends meist ganz erschöpft war. Sie musste sich in verschiedenen Bereichen beweisen, wie zum Beispiel der Herstellung von Pralinen, von Marzipan-Tieren, eines Schokoladenschaustückes, eines Desserts, einiger Stückdesserts, zweier Torten und eines Zuckerschaustückes. Es galten verschiedene Kriterien, die erfüllt werden mussten. Es wurde auf das Optische, die saubere Arbeitsweise und Hygiene, die Arbeitstechnik, den Umgang mit den Rohstoffen sowie auf den Geschmack geachtet. Den Höhepunkt stellte für Veronika das Schokoladenschaustück mit seiner sehr extravaganten Form dar. Sie meisterte es jedoch mit äußerster Präzision und Geschick.

 

„Ein Mentaltrainer und das Jogging am Morgen halfen uns dabei, den Strapazen und dem Druck standzuhalten.“

Als die Wettkampftage zu Ende waren und die Juroren sich zur Beratung und Bewertung zurückzogen, war die Spannung unter den Südtiroler Teilnehmern groß. Der Teamleiter Christian Haas hat sich dann noch einen kleinen Spaß mit den Teilnehmern erlaubt. Obwohl er bereits vom reichen Medaillensegen wusste, sagte er scheinbar betrübt zu ihnen, dass lediglich „ein“ Medaillenträger sicher sei und um zwei weitere würde noch verhandelt. Die Teilnehmer selbst erfuhren die Endergebnisse erst bei der Preisverteilung. Nun, der Erfolg der Südtiroler Truppe konnte sich sehen lassen.

 

Südtirol hat eine Weltmeisterin!

Diese Nachricht verbreitete sich hierzulande sehr schnell. Veronika hat es als Einzige geschafft, Weltmeisterin zu werden. Weiters erhielten die Südtiroler Teilnehmer drei Silber- und vier Bronzemedaillen sowie sieben Exzellenzdiplome. Die Abschlussfeier war sehr feierlich und anschließend fand eine Party nach dem Geschmack der jungen Teilnehmer statt. Es wurde bis spät gefeiert.

Als die Teilnehmer nach Südtirol zurückkehrten, wurden sie in Bozen an der Landesberufsschule feierlich empfangen. Alle namhaften Politiker des Landes waren anwesend. Die jungen Teilnehmer, aber besonders Veronika, wurden geehrt und schließlich wurde anlässlich dieses Festaktes das World-Skills-Buch des LVH von allen signiert.

 

„Endlich daheim! Und jetzt, wenigstens vorerst, nur noch ein Ziel: Schlafen, schlafen, schlafen!“

Nachdem Veronika nun schon seit mehr als 24 Stunden unterwegs war, kehrte sie müde nach Hause zurück, wo sie sich 15 Stunden Schlaf am Stück gönnte. Zu recht, denn es folgten in den nächsten Tagen verschiedene Ehrungen, Gratulationen und Festlichkeiten anlässlich Veronikas Weltmeistertitel.

Als ich sie fragte, was denn jetzt anders sei, sagte sie mir, dass sie immer noch dieselbe sei. Aber einige Ereignisse zum Schmunzeln gäbe es schon. In die Konditorei, in der Veronika arbeitet, kommen neuerdings Leute, die Veronika sehen wollen, wenn sie einen Kuchen kaufen. Sie hat kürzlich Arbeitsangebote aus der Schweiz, Korea und sogar Dubai erhalten. Auch flattern Veronika Gratulationsbriefe von verschiedenen Einrichtungen sowie von Politikern ins Haus.

 

Ich kann mich den Gratulationen nur anschließen und wünsche Veronika, welche Ziele sie sich auch für die Zukunft gesteckt hat, alles Beste und weiterhin viel Erfolg!

Silvia Mahlknecht

 

 

 

Steckbrief Veronika Kuen

Geboren: 18.03.1989 in Meran

Sternzeichen: Fische

Ausbildung: Dreijährige Konditorlehre in der Landesberufsschule „Emma Hellenstainer“

Hobbys: „Mein Hobby ist mein Beruf“

Auszeichnungen:

Juni 2007: Goldmedaille beim Drei-Länder-Wettbewerb Konditoren

November 2008: Goldmedaille bei den Landesmeisterschaften

September 2009: Goldmedaille bei den Berufsweltmeisterschaften in Calgary/Kanada

Ältere Beiträge zum Thema Reportagen und Porträts


Bookmarken Sie uns

bookmark in your browserbookmark at mister wongpublish in twitterbookmark at del.icio.usbookmark at digg.combookmark at furl.netbookmark at linksilo.debookmark at reddit.combookmark at spurl.netbookmark at technorati.combookmark at google.combookmark at yahoo.combookmark at facebook.combookmark at stumbleupon.combookmark at propeller.combookmark at newsvine.combookmark at jumptags.com