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Andreas Hofer Gedenkjahr

Ausgabe Mai 2009

Das Passeiertal feiert seinen berühmten Sohn -Viele tolle Ereignisse stehen bevor

2009 jährt sich die legendäre Schlacht am Berg Isel zum 200. Mal, ein guter Grund für den Tourismusverein Passeiertal, sich allerhand einfallen zu lassen.

 

Ulli Königsrainer führt seine Mannen – oder vielleicht besser „Mander“ – mit viel Esprit und Erfindungsreichtum voran, und es ist ihm dabei eines besonders wichtig: „Wir wollen besonders unsere Landsleute ansprechen“; ein Ziel, das im tourismusverwöhnten Südtirol von wahrhafter Größe zeugt. Natürlich weiß auch das benachbarte Ausland, wer Andreas Hofer war, dies zeigen etliche Publikationen wie zum Beispiel „Die Zeit”, „Die Süddeutsche“ oder die „Salzburger Nachrichten“, die sich gerne kritisch mit dem Tiroler Volkshelden auseinander setzen. Insofern sind etliche der Veranstaltungen sicher auch für das Andreas-Hofer-Verständnis der Gäste wichtig, denn schließlich wollen die ja nicht nur den guten Speck oder Kasknödel konsumieren, sondern auch ein wenig über Land und Leute erfahren.

 

Helden und Hofer – neu interpretiert

Dafür bietet das Museum Passeier eine gute Ausgangsbasis. Es besteht aus dem Parcours „Helden & Hofer" im Erdgeschoss, dem Volkskunde-Bereich im ersten Stock sowie einem typischen Passeirer Haufenhof im Freilicht-Bereich. In diesem besonderen Jahr wagt es sich an eine neue Interpretation von Andreas Hofer und der Rebellion von 1809. Die erweiterte Dauerausstellung zeigt die Ereignisse von vor 200 Jahren aus einem außergewöhnlichen Blickwinkel: der Sicht von außen auf das Tirol zu Hofers Zeiten. Man fragt sich beispielsweise: Was hatte eigentlich die Bayern bewogen, in ihrem neuen Tiroler Landesteil jene tief greifenden Reformen einzuführen, die dann den Aufstand der konservativen Bevölkerung auslösten? Wie haben die Bayern und die auf ihrer Seite stehenden Franzosen das „heilige“ Land Tirol gesehen? Und gab es beim liberalen, aufgeklärten Bürgertum in Städten wie Bozen, Meran, Innsbruck oder Trient eine Meinung über den Kreuzzug ihrer Landsleute gegen die angeblich gottlose Aufklärung? Das Museum findet, dass genau diese Fragen in der bisherigen Geschichtsvermittlung viel zu kurz gekommen sind.

 

Das Handeln beider Seiten verständlich machen

Ebenso sollen die Rollen des österreichischen Herrscherhauses, der Franzosen, der Sachsen und der Italiener hinterfragt werden, um dann über die Rolle der Passeirer immer näher an Andreas Hofer und sein Umfeld heranzukommen, um den Rebell und seine Mitkämpfer distanzierter zu sehen und die eingeschränkte Sicht, die nur gute Tiroler und böse Feinde kennt, zu differenzieren.

Die neue Ausstellung lässt ihm zwar jene Rolle, welche die Geschichte ihm gegeben hat, zeigt aber auch die Mechanismen auf, die aus einem Menschen „wie du und ich“ mit der Zeit einen Helden machen. Ein weiterer Schwerpunkt der neuen Dauerausstellung ist dem Heldentum in Vergangenheit und Gegenwart gewidmet, wodurch ein modernes Geschichtsbild vermittelt werden kann. Es richtet sich nicht nur an Tiroler. Es setzt keine fundierten Geschichtskenntnisse voraus und möchte auch Kinder ansprechen, denen der Freilichtbereich sicher sehr gut gefallen wird.

 

Zeitreise in eine vergangene Welt

Bis weit ins 20. Jahrhundert gab es das alte Passeier. Ein bergbäuerlich geprägtes, extremes Siedlungsgebiet. Der karge Boden ernährte nur durch intensive und einfallsreiche Bearbeitung die Bevölkerung. Um 1960 änderte sich vieles. Erschließungen, Maschinen, Arbeitsplätze in Handwerk und Industrie sowie der beginnende Tourismus wandelten das Tal nachhaltig. Mit der neuen Zeit änderten sich die Lebensumstände. Traditionelle Arbeitstechniken, Bauwerke und Lebensformen verschwanden allmählich. Alte Relikte wurden zu Antiquitäten oder verkamen. Die wirklichkeitsnahe Wohn- und Lebenssituation auf den Bergbauernhöfen des Passeier lässt sich hier am besten durch liebevoll übertragene, ausgestattete Originalgebäude des Tales vermitteln. Der dominierende Baustoff Holz in der traditionellen Bearbeitung, die niedrigen Räume, die kleinen Fenster, die Geräusche und Gerüche: eine Zeitreise in eine vergangene Welt, die nicht sehr weit zurückliegt. In den vergangenen Jahren wurde ein vollständiger Passeirer Haufenhof in den Hang zwischen dem Wirtschaftsgebäude des Sandhofes und den Kapellen gebaut. Er vermittelt mit der Schmiede, der Mühle, dem Getreidekasten, dem Backofen, dem Wohnhaus, dem Wirtschaftsgebäude, der Lodenwalke, der Kegelbahn und dem Bienenstand, eingebettet in eine gepflegte Hoflandschaft, Eindrücke von der einfachen aber autarken Lebensweise unserer Vorfahren.

 

Andreas Hofer zum Vernaschen

Hat man sich also ausführlich im Sandhof über Geschichte und Menschen informiert, bietet der Tourismusverein Passeier eine Menge anderer Möglichkeiten, Andreas Hofer hochleben zu lassen. Kulinarisch wird er fortleben in den leckeren Andreas-Hofer-Kugeln und dem Andreas-Hofer-Wein. Ein kreatives Bäcker-Ehepaar in St. Leonhard widmete dem Freiheitskämpfer eine köstliche Praline, von der wir annehmen, dass sie auch dem „Andre“ geschmeckt hätte: Nüsse, Marzipan und Nougat umhüllt von dunkler Schokolade laden zum Verkosten ein. Die Kugeln sind exklusiv in deren Bäckerei-Konditorei zu kaufen. Die Leckerei befindet sich übrigens in guter Gesellschaft: Auch die delikate Andreas-Hofer-Torte und das Andreas-Hofer-Brot, ein Roggen-Vollkornbrot aus Natursauerteig, sind Erfindungen von Gabi und Christian Kobler. Pro Monat verkaufen die beiden etwa 500 Stück der kleinen Köstlichkeit. „Die Kugeln werden nicht maschinell erzeugt, sondern von Hand gefertigt“, erklärt Gabi Kobler. „Deshalb sieht auch keine aus wie die andere.“ Sie sind außerdem frei von Konservierungsstoffen, künstlichen Aromen und Farbstoffen. Erwähnenswert ist in jedem Fall auch der Andreas-Hofer-Wein: ein Edelvernatsch und ein Weißburgunder, abgefüllt in der Burggräfler Kellerei und im Handel erhältlich. Mit dieser Kellerei arbeitete bereits Hofer als Weinhändler zusammen.



Sport und Vergnügen in der Passeirer Bergwelt

Nach soviel Genuss für den Gaumen heißt es, etwas für die Taille tun, und auch das fällt heuer leicht, denn am 24.5 findet der „1. Andreas Hofer Volkslauf“ mit Start in St. Martin statt, um 10.30 Uhr fällt der Startschuss auf dem Festplatz. Drei Stunden können auf einer kleinen Runde über 4,3 Kilometer oder einer großen Runde über 13,1 Kilometer gelaufen werden. Natürlich winken attraktive Preise und ein tolles Startpaket, das ab 7.00 Uhr im Infobüro St. Martin abgeholt werden kann.

Ein wenig gemütlicher geht es gleich am nächsten Tag mit einem großen Ereignis weiter, dem „2. Südtirol International Ladies Pro-Am“. Es ist ein Golfturnier der Superlative, denn am 25. Mai 2009 wird der Golfclub Passeier zum Mittelpunkt des europäischen Lady-Golf. 20 Sportlerinnen aus der PGA European Tour starten hier zum einen Wettbewerb der ästhetischen Art, da die Auswahl der Spielerinnen zwar in erster Linie nach Spielstärke, aber auch nach der Schönheit  der Damen erfolgte.

Sportlich bleibt es, wenn am 7. Juni das Passeiertal im Zeichen des Radfahrens steht. Beim 2. Familienradtag erwarten die teilnehmenden Radfahrer entlang des Fahrradweges an der Passer von Riffian bis St. Leonhard verschiedenste Überraschungen. Bei verschiedenen Spielen (Hau-den-Lukas, Golfen, Kegeln) können alle ihr Geschick unter Beweis stellen.

Außerdem fährt der Wanderbus wieder alle Liebhaber der Passeirer Bergwelt zum Pfandlerhof und lädt zum Verweilen in bester Luftqualität ein.

Wer aber – wie einst Andreas Hofer – auf Schusters Rappen die Schönheit der Südtiroler Landschaft weit oben, fast über den Wolken, genießen möchte, den bringt die Hirzer Seilbahn an die schönsten Orte des Tals, von wo aus man auf verschiedenen Wanderwegen die Seele beim Laufen baumeln lassen kann und immer wieder einkehren kann.

 

Weitere Aktionen des Jubiläumsjahres sind immer aktuell über www.passeiertal.it zu erfahren.

 

Viola Eigenbrodt

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