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Eugen Verra alias You Gene im Porträt

Ausgabe Juli 2010

Die Musik des Lebens

Sein bisheriger Lebensverlauf könnte den Stoff für ein Drehbuch liefern. Aufgewachsen in der Beschiedenheit des idyllischen Grödnertals, zog es Eugen Verra im zarten Alter von 23 Jahren nach Amerika, um seinen großen Traum einer Musikerkarriere zu verwirklichen. Ein Porträt über einen Idealisten, der in die große, weite Welt zog und wieder zurückkehrte.

 

„Music was my first love and it will be my last.“ Die berühmten Zeilen aus der Ballade „Music“ von John Miles, die 1976 um die Welt ging, charakterisieren treffend auch das Leben von Eugen Verra. Just im Jahr 1976 legte der Grödner Musiker auch die ersten Grundsteine für seine spätere Musikerkarriere. Mit 14 Jahren verließ er das Grödnertal, um in Bozen die Gewerbeoberschule zu besuchen. Hier lockerte er mit seiner Band das graue Leben im Ludwigsheim auf. Es folgte ein Abstecher in die Volksmusik. Die „Geislerspatzen“ suchten zu jener Zeit einen Gitarristen. Der Schüler bewarb sich und wurde aufgenommen. Schnell wurde die Formation, die neben Volksmusik auch Rock’n Roll zum Besten gab, sehr bekannt. Nicht zuletzt auch wegen ihrer „Fonzy Frisuren im 70er Stil“, wie Eugen Verra mit einem Augenzwinkern erzählt.

 

Trotz des großen Erfolges wurde dem damals 17-Jährigen bald klar, dass die Volksmusik ganz und gar nicht seinem Stil entsprach. Die 70er Jahre neigten sich dem Ende zu und große Rockbands, wie Deep Purple, Led Zeppelin, Kiss oder Pink Floyd, setzten musikalisch neue Maßstäbe. Verra wollte nicht länger Songs anderer interpretieren, sondern selbst komponieren. Er schrieb seine ersten Lieder. Mit 19 Jahren verwirklichte sich der passionierte Musiker seinen großen Traum: ein eigenes Homestudio, in dem er seine Songs aufnehmen, arrangieren und fertigstellen konnte. „Es gab damals noch keine technischen Hilfsmittel. Alles musste perfekt, ohne Fehler auf analoge Bänder aufgenommen werden. Meine ersten Lieder klangen plump. Sie waren mit zu vielen Instrumenten arrangiert, aber von Mal zu Mal wurde es besser“, berichtet er über seine Anfänge.

 

Aufbruch ins Ungewisse

Dass in einem Homestudio im Grödnertal ein internationaler Durchbruch nicht zu schaffen sei, wurde Eugen Verra schon bald klar. Und so wagte er das, was nur Wenige in ihrem Leben tun: Er packte seine sieben Sachen, um jenseits des großen Teiches sein Glück zu finden. Ohne Kontaktadresse in der Hosentasche, bar von Englischkenntnissen und mit ein wenig Erspartem in der Geldbörse brach der Idealist Richtung Los Angeles auf. Bereits in Minneapolis musste er erfahren, dass das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ doch viele Grenzen hat. Schon bei der Einwanderung gab es die ersten Probleme. Fast hätte er wieder die Heimreise antreten müssen. Schließlich erreichte er doch sein Ziel: Los Angeles. In der Stadt der Engel angekommen, bezog er in einer Jugendherberge sein Quartier. Fasziniert von dieser multikulturellen Atmosphäre drehte er zu Fuß seine erste Runde durch die Millionenstadt. Sein erster Ausflug blieb allerdings nicht ohne Folgen: „Ich habe mich verlaufen und brauchte drei Stunden, um herauszufinden, wie ich wieder nach Venice Beach in die Herberge komme. Los Angeles ist wohl ein wenig größer als mein Heimatdorf in Gröden“, erzählt er heute mit einem Lachen. Als einer, der keine Arbeit scheut, schlug er sich als Putzhilfe durch. In seiner Freizeit büffelte er wie ein Verrückter Englisch. Trotz mangelnder Sprachkenntnisse fiel es dem weltoffenen Musiker nicht schwer, Kontakte mit den Amerikanern zu knüpfen.

 

Vom Kellner zum Tontechniker in Hollywood

Ein halbes Jahr nach seiner Ankunft zog er in den Stadtteil Hollywood. In der Traumfabrik fand er alsbald einen Manager. Voller Elan nahm er in den dortigen Tonstudios gemeinsam mit amerikanischen SängerInnen seine Eigenkompositionen auf. „Das ganze Geld, das ich mir noch in Italien zusammengespart habe, habe ich in den Aufnahmestudios verprasst“, gesteht er. Um sein Leben und natürlich seine Leidenschaft für die Musik zu finanzieren, „nahm ich eine Reihe von interessanten Jobs an, wie etwa Kurier für eine Filmproduktion.“ Als Kellner in einem Lokal auf der bekannten Melrose Avenue bediente er Persönlichkeiten wie Silvester Stallone, Jodie Foster und andere Schauspielergranden. Die Kontakte aus diesem Szeneschuppen halfen ihm schließlich auch dabei, einen Fuß in die Filmbranche zu setzen. So zeichnete er in renommierten Studios für die Nebengeräusche und Hintergrundeffekte in Filmen verantwortlich. Aufgrund seines smarten Aussehens wollten ihn die Verantwortlichen sogar vor die Kamera holen. Dieses Angebot schlug er allerdings aus: „Ich wollte mich auf die Musik konzentrieren und habe nicht angenommen, was mich heute noch ärgert.“

 

Vielmehr konzentrierte er sich auf die Musik. 1988 produzierte er seine erste Platte. Der Song „I Wanna Be Somebody“ wurde von Roq Cory gesungen. Am Strand von Venice Beach wurde der dazugehörige Videoclip abgedreht. Die Zeit in Amerika inspirierte Eugen Verra sehr. Es entstanden viele Songs. Einen davon nahm er mit Francesca Roby auf; einen anderen interpretierte Lee Curreri, der bekannte Schauspieler aus dem Musicalfilm „Fame“. „Diese fünf Jahre in Kalifornien waren traumhaft. Die unbegrenzten Möglichkeiten, die wunderbaren Strände, die Coolness der Menschen und vor allem diese einzigartigen Sonnenuntergänge haben mich in ihren Bann gezogen“, gerät er ins Schwärmen.

 

Zurück zu den Wurzeln

Als der große Erfolg ausblieb, kehrte er zurück. Wieder im Lande produzierte er eine CD mit Lisanna und der Band Taba. Der erste große Erfolg gelang ihm mit BENNETT, dem aus dem Vinschgau stammenden Sänger Bernhard Tschennett. Der Titel „Come on Back“ wurde auf allen italienischen Radiosendern auf- und abgespielt. Seine Musikerkarriere führte ihn nach London, Mailand, Bergamo und Rimini, wo er in vielen bekannten Diskotheken auftrat. Noch heute wird der Hit „Everybody’s free“ von Vertical Vibe, der ebenfalls aus seiner Feder stammt und in 20 Ländern verkauft wurde, in Osteuropa aufgelegt.

 

Im Jahr 1998 folgte der große Bruch. Eugen Verra zog sich aus dem Musikbusiness zurück. Die ganze Aufmerksamkeit des mittlerweile dreifachen Vaters galt seiner Familie. Sieben Jahre später konnten die beiden Skiasse Manfred und Manuela Mölgg die Leidenschaft, die nach wie vor in ihm schlummerte, wieder entflammen. Für sie schrieb er die Hymne „Go Mannu-Go Manni“. Darauf folgte die CD „Corri Campione“, die allen WintersportlerInnen gewidmet war. Viel Beachtung fanden auch die beiden Silberlinge „Sellaronda“ und „Come on stay“. Seine letzen Hit „Dance with Dynamic Dance“, der von der 18-jährigen Anna Hofer gesungen wird, hat er heuer für die Show der Tanzgruppe „Dynamic Dance“ geschrieben.

 

Fotos: privat

 

1: Eugen Verra in den 80er Jahren in L.A.

2: Mit Roq Cory nahm er seinen ersten Titel auf

3: Hoch konzentriert beim Arrangieren

4, 5 oder 6: Eugen Verra

 

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