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Max von Milland

Wenn „Südtirolerisch“ die Welt erobert

Max von Milland

Max von Milland ist inzwischen zu einer festen Größe in der deutschsprachigen Musikwelt geworden. Und das, obwohl seine Texte in ehrlichster süddeutscher, also Südtiroler Mundart verfasst sind. Nach seinem Toursupport für internationale Namen, wie Sportfreunde Stiller oder Söhne Mannheims, legt Max von Milland 2013 sein Debütalbum „Woher i eigentlich kimm“ vor. Mit seiner daraus entnommenen Single „Leg di her“, die immerhin weit mehr als 200.000 Klicks auf Youtube zählt, schafft er es in den auserwählten Kreis der deutschsprachigen Musikszene. Seit 2014 besitzt er sein eigenes Label, das ein Jahr später sein zweites Album „Bis dir olls wieder gfollt“ veröffentlicht. Was sich hinter dem Künstlernamen „Max von Milland“ verbirgt, wie er mit seinen Liedern die musikalische Welt verändern möchte und was er von seiner Zukunft erwartet, hat er im Interview – das ausnahmsweise nicht im Dialekt übertragen wird – verraten.

Max von Milland, Ihr Name ist inzwischen der Musikszene ein Begriff. Was unterscheidet Sie von anderen Künstlern Ihres Genres?
Ich glaube, die Kombination von Südtiroler Dialekt mit den dann doch eher international angehauchten Melodien und der Musik macht es schon zu etwas Besonderem und Einzigartigem. Der Südtiroler Dialekt wird als äußerst charmant und sympathisch wahrgenommen, was mir natürlich sehr in die Karten spielt.

Die Kunst der Mundart-Dichtung etabliert sich in der deutschsprachigen Literatur erstmals am Ende des 19. Jahrhunderts, vordergründig in den Theorien des Naturalismus. Im 20. Jahrhundert nahm man wieder Abstand von solchen Ansätzen, indem man versuchte, eine einheitliche Regelpoetik für die Bühne zu definieren. Warum ist der Dialekt als künstlerisches Mittel gerade im 21. Jahrhundert wieder von Bedeutung?
Der Dialekt fungiert heute weniger als eigenständiges Stilmittel, sondern ist vielmehr eine Besinnung auf die eigenen Wurzeln. Er ist ein Teil der Identität. Meine Generation ist ja mit einer Art von Freizügigkeit aufgewachsen, die früher sehr selten war. Für Leute in meinem Alter und auch Jüngere ist es zur Selbstverständlichkeit geworden, temporär in London, Madrid, Berlin und so weiter zu leben. Der Dialekt ist eine direkte Verbindung zur Heimat und kann die Heimat direkt zu den Leuten holen. Bei mir war es genauso. Als ich in meiner Zeit in Berlin Songs schrieb, habe ich Südtirol durch den Dialekt zu mir geholt. Hinzu kommt natürlich auch, dass es meine Muttersprache ist, und ich Gefühle, wenn überhaupt, am besten in dieser Sprache ausdrücken kann. Der Dialekt ist für mich also beides: Besinnung auf meine Wurzeln und Ausdrucksmittel meiner Gefühle.

Durch Ihren Anspruch, Musik in Ihrer Muttersprache zu produzieren, schränken Sie Ihren möglichen Hörerkreis zumindest prinzipiell ein. Glauben Sie, dass die Zeit der englischen Pop-Hymnen vorbei ist? Welchen Stellenwert ordnen Sie Ihrer eigenen Musik bei?
Nein, das glaube ich nicht. Englischsprachige Musik ist in der aktuellen Poplandschaft immer noch das dominierende Genre, und das wird in der nächsten Zeit sicher auch so bleiben. Ich sehe eher, dass meine Musik die Poplandschaft um eine Facette bereichert.
Sprachlich gesehen, habe ich natürlich eine Kernzielgruppe, die in Südtirol, Österreich, Schweiz und Süddeutschland liegt, aber die Stimmung und die Emotionen, die über die Songs vermittelt werden, gehen über sprachliche Grenzen hinaus.

Welche Gründe veranlassten Sie, ein Leben als Musiker zu beginnen? Was waren Ihre größten Inspirationsquellen in Ihrer Jugend?
Als ich mit 14 Jahren das erste Mal eine Gitarre in der Hand gehalten habe, bin ich der Musik verfallen. Instrumente, wie Gitarre oder Klavier, ziehen mich einfach in ihren Bann. Wenn ich dann eine Melodie entdecke, die mir gefällt, kann ich stundenlang sitzen und sie immer und immer wieder spielen und weiterentwickeln. Die Zeit vergeht dann wie im Flug. Es war daher nicht eine bewusste Entscheidung, Musiker zu werden, sondern es ist einfach passiert. Es hat sich so entwickelt, denn in der Musik habe ich eine Leidenschaft und einen Ehrgeiz – wie nirgendwo anders.
Meine Pubertäts- und Jugendjahre würde ich jetzt mal als überdurchschnittlich intensiv, vor allem für meine Eltern, bezeichnen. Dementsprechend habe ich auch viel „Revoluzzer“-Musik, wie Rage Against The Machine, Nirvana, NOFX, Die Ärzte und so weiter, gehört. Mittlerweile hat sich das aber natürlich geändert, wobei ich die Klassiker der Bands aus nostalgischen Gründen immer noch gern höre.

Nach Ihrem Umzug von Berlin nach München fühlen Sie sich wieder „heimisch“. Sie sind ein italienischer Künstler, der in einer deutschen Stadt lebt, im Südtiroler Dialekt musiziert und in seinem Namen auf einen Stadtteil Brixens hinweist. Wie würden Sie Ihre Identität beschreiben? Was hat München zu Ihrer Persönlichkeit beigetragen, was Berlin nicht konnte?
Ich habe mich für den Künstlernamen „Max von Milland“ entschieden, weil ich ihn als am ehrlichsten und passendsten empfunden habe. Ich bin der Max, komme aus Milland bei Brixen und bin nun ein Südtiroler in München. Ich liebe das Regionale aber auch das Urbane einer Großstadt. Das spiegelt sich auch in meiner Musik wider. Der Dialekt verbindet mich mit meiner Heimat, die Musik aber ist international, „großstädtisch“ angehaucht. Das ist eigentlich schon alles.
Berlin war für mich eine sehr wichtige Zeit, es waren meine „Wilden 20er“, die meinen persönlichen Horizont wahnsinnig erweitert haben. Ich musste nach der Matura raus aus Südtirol, wollte die Welt sehen, wusste aber schon ab dem ersten Tag in Berlin, dass ich dort nur temporär bleiben werde, und dass es mich irgendwann wieder näher Richtung Heimat ziehen wird.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? An welchen Träumen arbeiten Sie derzeit?
Ich finde das Wort „Traum“ immer etwas unpassend, weil ich die Aussage, „einen Traum zu haben“ oder „von etwas zu träumen“, mit einer gewissen Nicht-Erreichbarkeit verbinde. Ich habe Ziele und versuche, diese Schritt für Schritt zu erreichen. Da gibt es natürlich kurzfristige Ziele, wie zum Beispiel viel live zu spielen, um das Publikum stetig zu vergrößern; mittelfristige Ziele, wie für das neue Album zu schreiben und aufzunehmen; langfristige Ziele ,wie irgendwann die Stadthalle Bozen auszuverkaufen. Ich glaube, dass dieser Plan für mich der richtige Weg ist.
Jeder Musiker, der denkt, ein langfristiger Erfolg komme ohne harte Arbeit und über Nacht, den muss ich leider enttäuschen. Wenn, dann sind das absolute Ausnahmen. Es gibt natürlich die Möglichkeit, bei verschiedenen Casting-Shows mitzumachen, aber jeder, der sich dort anmeldet, muss sich bewusst sein, dass es um die Show und um die Quote des Senders geht. Der einzelne Sänger ist da nur Mittel zum Zweck, so schnell, wie die Leiter nach oben reicht, geht es meistens auch wieder runter.

Lassen Sie uns noch etwas fokussierter auf Ihren Geburtsort Südtirol blicken. Was schätzen Sie an Südtirol besonders? Was ist verbesserungswürdig? Was erzählen Sie Ihren Bekannten aus München, was Südtirol besser macht als Deutschland?
Ich würde mir nie anmaßen, Südtirol im Vergleich zu Deutschland als besser oder schlechter zu bezeichnen – vor allem basierend auf welcher Grundlage? Man kann eine Region ja nicht mit einem ganzen Land vergleichen! Wenn Südtirol mit einem deutschen Bundesland vergleichbar ist, dann ist es Bayern. Der Menschentypus, der Dialekt und die kulturellen Ansichten sind sehr ähnlich, und es herrscht eine sehr ausgeprägte gegenseitige Wertschätzung. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass sehr viele Südtiroler München als ihre Lieblingsstadt sehen, und umgekehrt verbringt – gefühlt – nahezu ganz Bayern seinen Urlaub in Südtirol.
Was ich an uns Südtirolern sehr schätze, ist, dass wir es schaffen, unsere Tradition in die Moderne zu holen. Das sieht man in der Architektur, in der Gastronomie und auch in der Kultur. Leider sitzen die Scheuklappen bei uns Südtirolern oft sehr fest, aber jetzt warten wir mal ab, bis die ersten Südtiroler mit Auslandserfahrungen wieder heimkommen.

Kann gerade Kunst die gängigen Probleme des aktuellen Europa artikulieren und vielleicht in Ansätzen lösen? Falls ja: Was kann Musik, was Politik nicht kann?
Was Musik immer schon konnte und natürlich immer noch kann, ist, Menschen zu vereinen. Egal welcher Gesinnung, welcher Hautfarbe oder Herkunft – das macht sie so wertvoll. Die Kraft der Musik allein reicht jetzt vermutlich nicht aus, um eine politische Krise zu lösen, aber sie kann Anstöße geben oder auch der Auslöser für etwas sein. Wenn das passiert, ist die Gesellschaft aber meistens schon für diese Veränderung bereit, und es fehlt noch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Mittels Musik kann man mit jedem Menschen auf der Welt kommunizieren. Und da schließt sich auch wieder der Kreis zum oben Gesagtem: Es geht in der Musik nämlich um ein Gefühl, das transportiert wird, und jeder Mensch hat Gefühle, ob er es zugeben will oder nicht.

Ich bedanke mich im Namen der SÜDTIROLERIN herzlich für das Interview und wünsche Ihnen Erfolg für die Zukunft.

Interview: Hannes Mittermaier

Steckbrief: Max von Milland
Geburtsort: Brixen.
Familienstand: ledig.
Aktueller Wohnort: München. „Wenn ich mal nicht im Tonstudio bin, dann bin ich im Biergarten.“
Ich bin wirklich gut in...: Form.
Ich bin wirklich schlecht in...: still sitzen.
Mein Vorbild: Hab ich nicht, mich inspirieren verschiedene Menschen und Momente.
Mein Wunsch für die Menschheit: Give Peace A Chance!
Lebensmotto: Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern.

Wort-Rap
Lieblingsmusiker: Aktuell Tom Odell und Ryan Adams.
Lieblingsplatz in der Welt: Sonnenaufgang auf’m Peitler.
Lieblingsauto: Tourbus.
Lieblingsstadt: Königsmund (Kings Landing).
Lieblingsradiosender: alle, die meine Musik spielen.
Lieblingsgetränk: Moscow Mule.
Lieblingsessen: Vinschgerle mit Speck und Gurke.
Lieblingsfilm: aktuell Supermensch – The Legend of Shep Gordon.
Lieblingsbuch: Kill your friends – John Niven.
Lieblingsmärchen: Das tapfere Schneiderlein.
Lieblingssportler: Zlatan Ibrahimovic.
Lieblingsschulfach: Politische Bildung.
Lieblingskinderfernsehsendung: Power Rangers.

Fotos: Matthias Ettinger/Sebastian Hödl/Andreas Panzenberger/Andreas Tauber

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