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Impressionen am Set vom Film

Ausgabe Juli-August 2009

Für die Heimat und gegen die Reform – Der Aufstand der Tiroler im Jahre 1809 von der Filmgesellschaft Suedmedia unter der Regie von Karl Mittermaier, Kamera Hubert Schönegger


Hunderte von Komparsen aus dem ganzen Land machten mit, Suedmedia gab sich alle Mühe, einen guten, vor allem anderen Film über 1809 zu drehen. Monate lang suchte die Filmgesellschaft nach dem „passenden" Andreas Hofer, den sie schließlich in Thomas Schönweger aus dem Burggrafenamt fand.

Dazu Regisseur Karl Mittermaier: „Wir hätten selbst in Hollywood keinen besseren Andreas-Hofer-Darsteller finden können." Tatsächlich passt bei Schönweger alles: Selbst die Augenfarbe ist die Andreas Hofers. Natürlich ist der Bart echt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der 45-Minuten-Film wird zunächst von der Rai, Sender Bozen, im Herbst ausgestrahlt.

 

1809 und Andreas Hofer heute

Was können wir heute über Andreas Hofer, der sehr bald zum Mythos aufstieg, sagen? Der Sandwirt, der für kurze Zeit Tirols Landeskommandant gewesen war, führte eine militante Widerstandsbewegung an, die nationale Befreiungsziele verfolgte. Der Patriotismus und der christliche Glaube waren die Triebfeder des Unternehmens. Insofern kommandierte er die erste Widerstandsbewegung in Mitteleuropa. Andreas Hofer avancierte zum Helden, zumal er gegen die damals bestgerüstete Armee der Welt, gegen die Franzosen beziehungsweise gegen die Bayern, den Widerstand antrat und eine Zeitlang sogar Erfolge erzielte. Andreas Hofer wollte sich nicht bevormunden lassen. Sein Sinn für Gerechtigkeit und Freiheit, aber auch sein Tiroler Stolz verleihen ihm seitdem eine eigenwillige geschichtliche Aura. Durch und durch uneigennützig denkend und handelnd, entwickelte er keine Allüren eines politischen Machthabers.

Bis heute identifizieren sich viele mit dem Volkshelden Hofer. Dabei sei erwähnt, dass der Sandwirt nicht das gesamte Tiroler Volk repräsentierte. Die gebildete Schicht, darunter die der Aufklärung nicht abgeneigten Bürger, viele Städter und Geschäftsleute, konnte sich für die reaktionäre Erhebung Hofers nicht begeistern. Der Ausgang gab ihnen Recht: Der bescheidene Wohlstand war nach der Zerschlagung des Widerstands vernichtet, enorme Kriegskosten lasteten auf den Gemeinden.

Hier mag ein Grund für das resignierende, auf Gott vertrauende, den Tod herbeisehnende Verhalten Hofers beim Prozess und seiner Hinrichtung in Mantua zu suchen sein. Was hätte das Tiroler Volk mit dem Sandwirt gemacht, wenn er nach der verlorenen Erhebung im geschundenen Tirol weitergelebt hätte?

Nach der erfolglosen Erhebung wurde Tirol von Österreich abgetrennt und unter drei Staaten aufgeteilt: Bozen und der südliche Teil Welschtirols wurden dem Königreich Italien einverleibt. Das östliche Pustertal wurde den Illyrischen Provinzen und damit direkt Frankreich unterstellt. Bayern erhielt den nördlichen Teil.

Vom September 1814 bis Juni 1815 versammelten sich die Sieger über Napoleon und berieten unter dem Vorsitz von Fürst Metternich, des österreichischen Außenministers, über die Neuordnung Europas. Stabilität, Restauration und Legitimität lauteten die Leitbegriffe des Wiener Kongresses. Die Rückgabe Tirols und Vorarlbergs an die Habsburger galt als selbstverständlich.

 

Andreas Hofer trat im richtigen Moment den Widerstand der Tiroler an. Freilich nur ein Moment, denn der Erfolg war von kurzer Dauer. Tirol hätte sich nie gegen Bayern und somit Frankreich durchsetzen können, wenn dann nur mir der vollen Unterstützung Österreichs. Und die blieb schließlich aus. So gesehen, wurde Andreas Hofer, wurden die Tiroler, rücksichtslos im Stich gelassen. Hofers Flucht in die Melancholie mag daraus resultieren.

Und dennoch: Obwohl die Erhebung schlecht ausging und Tirol in der Folge schwer zu leiden hatte, wurde Andreas Hofer zum Mythos. Vielleicht gerade deshalb!

Karl Mittermaier