Sabrina Patscheider - ist das Covermodel in der Novemberausgabe

Mit sich im Reinen sein

Covergirl Sabrina Patscheider im Interview

Sabrina, auf deiner Homepage schreibst du, dass du die Idee verfolgst, einen Ort zu schaffen, an dem Tabus gebrochen werden können. Bist du schon fündig geworden oder bist du – wie wir alle – auf der Suche nach neuen Herausforderungen und sich selbst?

Es geht hier nicht speziell um einen physischen Ort wie beispielsweise der Shop, sondern um einen „Ort“ im übertragenen Sinne. Dazu zählen sicher auch die Social Media Plattformen, auf denen ich versuche, all diesen Themen Raum zu geben. Alles kann, nichts muss.

Vor vielen Jahren noch habe ich mir selbst diesen Raum gewünscht, in dem es in Ordnung ist, wenn auch einmal nichts in Ordnung ist. Weiß Gott warum, ich habe so einige schlechte Phasen im Leben gehabt und immer geglaubt, ich bin alleine damit bzw. ich wäre nicht gut, so wie ich bin. Da hatte ich noch kein Selbstvertrauen, das „nach außen“ zu tragen. Im Endeffekt ist es mein Ziel, dass jeder, der möchte, diesen „Ort“ in sich selbst findet. Wenn ich nur einige wenige dazu inspirieren darf, mal „nach innen“ zu schauen, habe ich alles richtig gemacht. Aber ja: Es ist sicherlich auch immer wieder ein Schritt mehr zu mir selbst, ein schöner Nebeneffekt. (zwinkert)

Kann man das Fotoshooting, einhergehend mit der Platzierung in der Novemberausgabe der SÜDTIROLERIN ein erster Schritt dazu sein?

Auf alle Fälle. Der Schritt in die Öffentlichkeit ist immer eine Herausforderung und eine große Hürde. Aber er macht sichtbar und es ist wichtig, sich zu zeigen, mit allem, was man und was man nicht hat.

Weshalb müssen wir auch für uns da sein und uns gönnen, uns Ziele zu setzen, um unseren Weg zu finden und inwiefern ist es von enormer Wichtigkeit, dass wir uns selbst nicht vergessen?

„Ich bin mir am nächsten!“ Das darf man nicht vergessen, auch wenn das am Anfang nach Egoismus klingt. Aber sehen wir’s doch mal so: Die beste Freundin, Ehefrau, Mutter oder Liebhaberin bin ich, wenn ich mit mir im Reinen bin und ich mich manchmal auch an die erste Stelle setze. Ganz einfach: wenn ich mich lieb habe.

In deinem Concept Store in Naturns sorgst du eine Wohlfühlatmosphäre für Körper und Seele. Das Angebot ist breit gefächert und bunt wie das Leben selbst. Neben Ölen, Düften, Hanf und Büchern findet man Mode und Kunsthandwerk. Kannst du uns bitte ein paar Worte zum großen Ganzen und zu deiner Unternehmensphilosophie verraten?

„Alles, was dir guttut“ – so möchte ich das große Ganze beschreiben. Hier gibt es kein „Richtig“ oder „Falsch“. In Zukunft wird es auf alle Fälle immer mehr in Richtung Onlineshop gehen und da habe ich noch etwas Tolles im Kopf, das ich umsetzen möchte. Ich will sagen, dass die Produkte zum Menschen kommen, und nicht, dass der Mensch zum Produkt kommt. Mehr kann ich noch nicht verraten.

Ein großes Ziel von dir ist es, in sozialen Medien über Tabus aufzuklären und eine Lanze für die mentale Gesundheit zu brechen. Wie schaffst du es, etwaige Vorurteile über die Spiritualität aufzuheben und mit der Jetztzeit zu verbinden?

Spiritualität ist ein Wort, das mit vielen Vorurteilen belegt ist. Es hat für mich weder was mit stundenlanger Meditation noch mit Geistheilung oder Kartenlegen zu tun. Sicherlich kann es ein Teil davon sein, aber für mich bedeutet die Spiritualität präsent und bewusst zu sein, mich gern zu haben, groß zu träumen, an mich zu glauben, für andere da zu sein, ohne meinen Vorteil darin zu sehen. Meine „Schöpferkraft“ zu aktivieren, heißt, dass ALLES in mir beginnt und zu wissen, dass jeder so gut ist, wie er ist, dass schlechte Tage und Phasen in Ordnung sind und dass sie sogar willkommen zu heißen sind, zumal ich hier am meisten über mich lerne.

Wenn die äußere Fassade zu bröckeln beginnt, bin ich im Inneren immer noch bei mir. Aber ich liebe auch die Tage, an denen ein schlechter Film im Fernsehen läuft, an denen ich online shoppe oder an denen ich mit meiner Familie stundenlang zusammensitze und auch einmal viel zu viel Alkohol trinke. Die Mischung macht’s und verbindet esoterische Themen mit dem Jetzt. (lacht zufrieden)

Worin liegen der Sinn des Lebens und das Spüren des intensiven Gefühls der körperlichen und geistigen Verschmelzung begründet?

Der Sinn des Lebens hat für jeden Menschen eine andere Bedeutung. Aber im Grunde will jeder nur noch eines: schöne Emotionen spüren.

Bleibt die Frage, da das Christkind vor der Türe steht: Was wünschst du der Menschheit und dir zu Weihnachten? Ist mit dem Fotoshooting, einhergehend mit der Abbildung auf dem Cover des größten Gesellschaftsmagazins Südtirols, dein größter Wunsch bereits in Erfüllung gegangen?

Das Fotoshooting war eine fantastische Erfahrung: Ich bin über mich hinausgewachsen und stolz auf mich, denn ich bin vor solchen Erlebnissen immer so nervös. Ich hoffe, dass der Eine oder Andere auf das Projekt „sabi.amore“ aufmerksam wird. Zu Weihnachten wünsche ich jedem von uns Zeit für sich selbst und seine Liebsten. Mir wünsche ein bisschen Familienzeit und das ist bei uns im Gastgewerbe nie ganz so einfach.

Was möchtest du abschließend der Leserschaft der SÜDTIROLERIN ans Herz legen?

Hey du. Du bist wunderschön mit all deinem Licht, aber noch viel wunderschöner mit all deinem Schatten!

Interview: Andreas Raffeiner

 

Kleidung: lila secondhand, Naturns

Accessoires: kOmMa 5, Naturns

Hair Styling und Make-up: haarscharf der Angelika Rungg, Rabland

Fotograf: Emi Massmer Emotions, Plaus

Location: Oberraindlhof, Unsere Frau im Schnalstal

 

Steckbrief

Name: Sabrina Patscheider.
Geburtsort: Bozen.
Wohnort:   Unser Frau im Schnalstal.
Familienstand: Glücklich verheiratet.
Beruf:  Selbstständig im AMORE Shop und überall ein bisschen im Oberraindlhof.
Damit verbringe ich meine Zeit:  mit spirituellen Themen, aber auch kitschigen Serien.
Verreisen würde ich am liebsten: Überallhin. Bitte einmal ans Meer und unbedingt nach England.
Mein aktuelles Lieblingsbuch: Meditation von Peter Beer.
Das Lied berührt mich momentan am meisten: Ganz oben von Lust und Laune.
Das bringt mich zum Lachen: das Instagram-Profil „bestofkleinanzeigen1“. (lacht)
Ich kann nicht leben ohne: meine Familie, meine beste Freundin
Das möchte ich unbedingt noch lernen: soooo viel und leider jede Woche was anderes: tanzen, töpfern, fremde Sprachen, Yoga, schneidern.
In den nächsten zehn Jahren möchte ich: eine tolle Community aufbauen die für Spiritualität und mentale Gesundheit in Südtirol losgeht.
Besonders stolz bin ich auf mich: weil ich immer wieder über mich hinauswachse und reflektiere, meinen Schritt in die Selbstständigkeit.
Einen Kaffee trinken würde ich gerne mit: Peter Beer (Coach, Psychologe; mein Mentor).
Mein Lebensmotto lautet: Drei tiefe Atemzüge können alles ändern.
Meine Selbstbeschreibung in drei Worten: liebenswert, vorurteilsfrei, hilfsbereit.